Linie

Die Wurzeln der übüStille: Unsere Linie

Zen ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern das geduldige Weiterreichen einer brennenden Kerze von Generation zu Generation. Die Praxis im privaten Zendojo Graz steht in der direkten Nachfolge und Tradition der großen Meister der Soto-Zen-Linie.

1. Bodhidharma (um 440–528)

Der Urvater
Ein indischer Mönch, der den Himalaya überquerte und den Zen-Buddhismus nach China brachte. Im berühmten Shaolin-Kloster verband er die sitzende Meditation (Chan) mit körperlichen Bewegungen. Für ihn war die Bewegung stets eine ergänzende Disziplin auf dem Weg zur Erwachung.
Der Legende nach entstanden aus seinen abgerissenen Augenlidern die ersten Teepflanzen – als Symbol für die unermüdliche Wachsamkeit im Zazen.

2. Dōgen Zenji (1200–1253)

Der Radikale
Enttäuscht vom Machtstreben der damaligen Klöster, reiste Dōgen nach China, um die wahre Lehre zu finden. Er kehrte mit leeren Händen zurück – aber mit der reinen Praxis von „Shikan-taza“ (nichts als aufrechtes Sitzen). Er gründete den Tempel Eiheiji tief in den Bergen und lehrte, dass das Sitzen selbst bereits die Erleuchtung ist.

3. Keizan Zenji (1264–1325)

Der Revolutionär
Während Dōgen tief nach innen blickte, öffnete Keizan die Soto-Schule nach außen. Er war ein visionärer Geist, der sich radikal für die absolute Gleichberechtigung von Frauen einsetzte und die ersten Nonnen-Klöster förderte. Er brachte das Zen zum einfachen Volk und schenkte den Menschen inneren Frieden durch alltagsnahe Rituale.

4. Kōdō Sawaki (1880–1965)

Der Landstreicher
Unerbittlich, frei und arm aufgewachsen, belebte er die fast vergessene Praxis des Zazen im 20. Jahrhundert neu. Als „Landstreicher Kōdō“ reiste er unermüdlich durch ganz Japan, um Mönchen wie Laien das reine Sitzen abseits von Tempel-Hierarchien zu lehren.

 5. Taisen Deshimaru Rōshi (1914–1982)

Der Brückenbauer
Als direkter Schüler von Kōdō Sawaki brachte er das Zen im Jahr 1967 über die transsibirische Eisenbahn nach Europa. In Paris versammelte er eine neue Generation von Praktizierenden um sich, gründete die Association Zen Internationale (AZI) und den Tempel „La Gendronnière“. Durch ihn schlug das Herz des Zen im Westen.

6. Michel Bovay (1944–2009)

Der Künstler im Alltag
Musiker, Komponist und langjähriger engster Mitarbeiter von Meister Deshimaru. Bovay brachte das Zen in die Schweiz und leitete jahrelang die AZI. Als Mann des Theaters inszenierte er die alten „Zengeschichten“ auf der Bühne. Sein Vermächtnis an uns bleibt lebendig: „Zerbrecht Euch nicht den Kopf, tut was euch tiefe Freude macht, aber gebraucht immer eure Weisheit.“